kfmv_Startup_Double_40_0299_RGB_300dpi
Profitieren Sie von Unterstützung in Bildung und Beruf

01. Februar 2018

Zur Übersicht

Bis zu 17 Stunden am Tag arbeiten?

Die parlamentarische Initiative Burkart verlangt weitreichende Änderungen im Arbeitsgesetz für Angestellte, die ihre Arbeitszeiten zu einem „namhaften Teil“ selber festlegen können. Der Arbeitstag für diese Angestellten würde sich damit massiv verlängern und das Sonntagsarbeitsverbot würde aufgehoben. Massnahmen zum Schutz der Angestellten sind nicht vorgesehen. Der Kaufmännische Verband stellt sich dezidiert gegen derart drastische Forderungen und verlangt eine Flexibilisierung im Sinne der Angestellten.

Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats (WAK-NR) hat in ihrer Sitzung vom 29. Januar 2018 der parlamentarischen Initiative Burkart Folge gegeben. Die Initiative verlangt für Angestellte, die ihre Arbeitszeit zu einem „namhaften Teil“ selbst festlegen können, Arbeitstage von bis zu 17 Stunden, und die Möglichkeit von Sonntagsarbeit, falls diese zu Hause erledigt wird. Bei allen Angestellten würden gelegentliche Arbeitsleistungen nicht mehr als Unterbruch der Ruhezeit gelten, was zu einem „Always-On“-Zustand führt.

Ohne eine der anderen Bestimmungen im Arbeitsgesetz zu ändern, arbeitet man nach dem Vorschlag Burkart zum Beispiel von 6 bis 12 Uhr, hat eine Stunde Pause und arbeitet dann wieder bis 23 Uhr. So hat man 16 Stunden innerhalb von 17 Stunden gearbeitet und die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen eingehalten. Nach 11 Stunden Ruhezeit darf man dann ab 10 Uhr wieder arbeiten. Dasselbe auch sonntags, allerdings nur von zu Hause aus. Das einzige, was es zu beachten gäbe, wäre in diesem Fall die wöchentliche Höchstarbeitszeit und die Überzeitvorschriften. Die Regelung wäre also nur für ein kleiner Teil der Angestellten sinnvoll.

Der Kaufmännische Verband macht sich mit den Verbänden der plattform stark für ein flexibles Jahresarbeitszeitmodell auf freiwilliger Basis für Berufstätige mit mehrheitlicher (mehr als 50%) Arbeitszeitautonomie. Viele unserer Mitglieder sind gut ausgebildet und verfügen über hohe zeitliche Flexibilität. Befragungen zeigen, dass selbstbestimmtes flexibles Arbeiten zufriedener macht. Dazu gehört auch örtliche Flexibilität wie zum Beispiel Homeoffice. An erster Stelle stehen jedoch klare gesetzliche Regelungen zu Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz. Man soll nicht mehr arbeiten, sondern flexibler entscheiden können, wo und wann die Arbeit erbracht wird. Allfällige Änderungen der arbeitsgesetzlichen Grundlagen müssen im Interesse der Angestellten sein und bedürfen zwingend Kontrollmechanismen zum Gesundheitsschutz.

Der Kaufmännische Verband ist nicht für eine Erhöhung der Arbeitszeit durch die Hintertür und auch nicht für eine Lockerung des Sonntagsarbeitsverbots. So lange Arbeitstage, wie es die parlamentarische Initiative vorschlägt, sind auf Dauer nicht gesund. Extreme Vorschläge zur Änderung des Arbeitsgesetzes wie derjenige von Konrad Graber in der Kommission des Ständerats oder eben Thierry Burkart dienen nicht in erster Linie einer Verbesserung der Work-Life-Balance, sondern vielmehr den Bedürfnissen einzelner Branchen. Dafür können auf Verordnungsebene aber Lösungen gefunden werden. Es sollen nicht grosse Teile der Angestellten davon betroffen sein. Zudem sind negative Konsequenzen für die Gesundheit der Angestellten zu befürchten. Der Kaufmännische Verband verlangt vom Gesetzgeber explizite Regelungen zum Gesundheitsschutz für ein flexibles Jahresarbeitszeitmodell. Dies beinhaltet ein Gesundheitsmonitoring und Regelungen zum Schutz vor psychosozialen Risiken. Bei den parlamentarischen Initiativen Graber und Burkart fehlt dies gänzlich.

Kontakt: